S T E C K B R I E F:

Schauspieler, Synchronsprecher, Kabarettist, Sänger. War die deutsche Stimme u.a. von Humphrey Bogart, Dean Martin, Richard Pryor, Jeff Bridges, John Cassavetes, Willem Dafoe, Marty Feldman, Richard Gere, Elliott Gould, Anthony Hopkins, Harvey Keitel, Al Pacino, Mark Wing-Davey. Mehr als 700 Sprechrollen. Geboren am 12. September 1939 in Brandenburg. Sternzeichen Jungfrau. Lebte in Berlin, später Wien. Gestorben am 26. April 2000 in Wien.

Synchronschauspieler Joachim Kemmer war die deutsche Stimme von Humphrey Bogart. Mit markant rauer Stimme synchronisierte Kemmer den Oscarpreisträger (African Queen) in den neuen Synchronisationen seiner Filme, die ab den sechziger Jahren entstanden. Joachim Kemmer war die Stimme einer wahren Legende. Im Jahr 1999, 42 Jahre nach dem Tod von Humphrey Bogart, wählte ihn das American Film Institute zum größten männlichen amerikanischen Filmstar aller Zeiten. Das war die Ikone des 20. Jahrhunderts auch. Allerdings nicht gemessen an seiner Körpergröße von 1,73 Meter. Im Oscar-prämierten Meisterwerk Casablanca wurde Bogart in vielen Szenen von der Regie auf eine Kiste gestellt, in Sitzszenen saß er meist auf Kissen. Somit wurde der Größenunterschied zwischen ihm und Ingrid Bergmann (weibliche Hauptrolle alias Ilse Lund), ausgeglichen. Synchronschauspieler Joachim Kemmer sprach in Casablanca für Humphrey Bogart – alias Cafebesitzer Rick Blaine, einen der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte: „Ich seh dir in die Augen, Kleines.“

Mit Casablanca schuf Regisseur Michael Curtiz 1942 den wohl bekanntesten Liebesfilm aller Zeiten, ein Melodram, ein Abenteuer-, ein Kriminalfilm. Obwohl der Film nahezu vollständig in den Warner Bros. Studios in Los Angeles gedreht wurde, prägte er das Marokkobild vieler Generationen. Rick’s Café Américain steht im Film in Casablanca. Es wurde dem weltberühmten Hotel El Minzah nachempfunden, welches tatsächlich – auch heute noch, im Norden Marokkos, in Tanger, betrieben wird.

Casablanca zählt zu den weltweiten Klassikern der Filmindustrie und wurde 1944 für acht Academy Awards nominiert. Drei Oscars gingen final an Michael Curtis (Beste Regie), an Julius und Philip Epstein sowie Howard Koch (Bestes adaptiertes Drehbuch) und an Hal B. Wallis (Bester Film). Die Nacht der Vergabe entwickelte skandalöse Züge, als Warner Bros.-Gründer Jack L. Warner sich an Oscargewinner Wallis vorbeidrängte und selbst den Award entgegennahm. Kurze Zeit darauf trennte sich Produzent Hal B. Wallis von der Filmgesellschaft WB.

Synchronsprecher Joachim Kemmer brillierte einfach im stimmlichen Schauspiel für die Hollywood-Legende Humphrey Bogart. Ebenso in der Synchronisation vieler anderer großartiger Schauspieler. Erinnern wir uns beispielsweise an seine hervorragende Synchronarbeit für den King of Cool, Dean Martin. Alias Honey Talk Nelson synchronschauspielte Kemmer den Hollywood-Star in der zweiten Synchronisation der Komödie Der tollkühne Jockey. Der Streifen aus dem Jahr 1953 war der erste Farb- und einzige 3D-Film des Komiker-Duos Dean Martin und Jerry Lewis. Die Rolle alias Fallschirmjäger Chick Allen, ein ehemaliger Nachtclub-Entertainer, verstand Joachim Kemmer ebenfalls perfekt für Dean Martin in den deutschen Sprachraum zu bringen. Der Schrecken der Division aus dem Jahr 1952 kam allerdings erst 18 Jahre später in die deutschen Lichtspieltheater.

Oscar-Gewinner Jeff Bridges (Crazy Heart) profitierte im Oscar-nominierten Abenteuer, Horror- und Fantasyfilm King Kong (1976) vom Synchronschauspiel des deutschen Kollegen. Bridges spielte die männliche Hauptrolle in der erfolgreichen Neuverfilmung von King Kong und die weiße Frau aus dem Jahr 1933. Synchronschauspieler Joachim Kemmer überzeugte für Bridges alias Paläontologe Jack Prescott im Südpazifik. Ebenso im überaus harten Polizei-Actionthriller Leben und Sterben in L.A. für den mehrfach Oscar-nominierten Willem Dafoe. Im 1985 erschienenen Blockbuster tauchte Joachim Kemmer in die Rolle des skrupellosen Geldfälschers Rick Masters. Auch Hollywood-Gentleman Richard Gere wurde einst von Kemmer synchronisiert. In dessen erstem Kinofilm Der einsame Job aus dem Jahr 1975. Sir Anthony Hopkins erreichte in den siebziger Jahren sein deutsches Publikum ebenfalls durch das stimmliche Schauspiel von Joachim Kammer. 1974 im Komödiendrama Das Mädchen von Petrowka mit der bezaubernden Goldie Horn (Der Tod steht ihr gut) oder auch im Thriller Magic – Die Puppe des Grauens aus dem Jahr 1978 von Regisseur Richard Attenborough (Grandi).

Großartig auch das Synchronschauspiel von Joachim Kemmer für Harvey Keitel alias Matthew „Sport“ Higgins im mehrfach ausgezeichneten Filmdrama Taxi Driver mit Robert De Niro (Es war einmal in Amerika) und Jodie Foster (Das Schweigen der Lämmer). Der Film kam 1976 in die Kinos und machte die damals 13-jährige Jodie Forster über Nacht zum Star. Aufgrund ihrer Minderjährigkeit spielte ihre damals 20-jährige Schwester Constance die sexuell unmissverständlichen Szenen. Für Al Pacino verkörperte Synchronsprecher Joachim Kemmer in Dick Tracy den Gauner Big Boy Kaprize, strebte nach der alleinigen Vorherrschaft in der Stadt und zitierte bedeutungsvolle Aussagen von Platon, Nietzsche und Jefferson. Die Comicverfilmung aus dem Jahr 1990 war für sieben Academy Awards nominiert (u.a. Al Pacino) und gewann drei Oscars.

Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Joachim Kemmer viel im Synchron. Die Auflistung großartiger Produktionen und wunderbarer Schauspieler, denen Kemmer über 30 Jahre seine wunderbare Stimme lieh, ließe sich seitenweise fortsetzen.Nicht zu vergessen auch das facettenreiche Stimmanspiel von Joachim Kammer in wunderbaren Disney-Produktionen wie Pocahontas, Aladdin, Tarzan und der Zauberkessel, Die Schöne und das Biest, Arielle, die Meerjungfrau und viele mehr. Joachim Kammer war in der Kunst zu Hause. Wenngleich er nach Beendigung der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Dieser Beruf bedeutete ihn allerdings nichts und so öffnete er sich dem Vorschlag eines Freundes, doch eine Schauspielausbildung abzuschließen. Darüber hinaus ließ er sich auch in Gesang und Tanz ausbilden. Nach erfolgreicher Schauspielausbildung spielte Joachim Kemmer zunächst auf der Berliner Kabarett-Bühne Die Wühlmäuse. Später folgten Engagements an den Münchner Kammerspielen und bei den Salzburger Festspielen.

Sein Debüt vor laufender Kamera gab Kemmer im Horrorfilm Gebissen wird nur nachts aus dem Jahr 1971. Nahezu dreißig Jahre lang spielte der wandlungsfähige Schauspieler zahlreiche Rollen in den verschiedensten Film- und Fernsehproduktionen. Beispielsweise an der Seite von Götz George (Schimanski) im Thriller Die Katheder auch in den Edgar Wallace-Adaptionen Das Karussell des Todes, Der Blinde und Die Katze von Kensington. Hauptrollen spielte Joachim Kemmer u.a. in der Familienserie Edgar, Hüter der Moral oder auch in der Krimireihe Blank Meier Jensen. Liebling Kreuzberg, Derrick, Der Alte, Tatort, Das Traumschiff…, der großartige Schauspieler war über Jahrzehnte ständiger und willkommener Gast in deutschen Wohnzimmern.

Joachim Kemmer verstarb im Alter von 60 Jahren. Das war am 26. April 2000 in Wien.

„Arielle, hör mir zu! Die Welt der Menschen ist kaputt! Das Leben da oben ist lange nicht so gut, wie das Leben hier unten!“sang Joachim Kemmer einst alias Hofmusikant Sebastian, die Krabbe, im Walt-Disney-Zeichentrickfilm Arielle. Und wer weiß, vielleicht musiziert der wunderbare Joachim Kemmer auch jetzt, irgendwo an einem besonders schönen Ort. Wo auch immer Joachim seinen Frieden gefunden hat, es wird gewiss eine wunderbare Umgebung sein, für diesen so besonderen Menschen. Danke, lieber Joachim, für all die schönen Erinnerungen, die du uns mit deinem kreativen Lebenswerk hinterlassen hast. Dein Corsta, Deine Freunde aus den Carpe Diem Studios.

H Ö R B E I S P I E L E:

Hörprobe 1:

Hörprobe 2:

Hörprobe 3: